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Süßholz – Sanfte Wurzel mit großem Potential

Süßholz (Glycyrrhiza glabra L.), besser bekannt als Lakritze, ist eine blass-violett blühende Staude, die aus dem Mittelmeerraum stammt, heute aber vor allem in Westasien wächst. Die zu den Schmetterlingsblütlern gehörende, etwa einen Meter hohe Pflanze war schon in der frühen Antike bekannt und geschätzt. Verwendet wird seit jeher vor allem die gelbe, holzige Wurzel, die einen aromatisch-süßen Geschmack bietet. Wer kennt nicht den Ausdruck „Süßholz raspeln“, also jemandem schmeicheln oder sich beliebt machen wollen? Und tatsächlich: Bei einer rauen Stimme oder Hustenreiz kann ein Tee aus der zerkleinerten Wurzel hilfreich sein, damit die Stimme wieder „weich und süß“ wird.


Schon im Altertum nutzten die Römer, Griechen und Chinesen Süßholz als magenstärkende Wohltat sowie als Hilfe bei Husten und Heiserkeit. In Mitteleuropa kennt man Lakritze als Heilmittel seit dem Mittelalter.  Im 13. Jahrhundert wurde Süßholz in Italien kultiviert und im 15. Jahrhundert entstanden in der Umgebung von Bamberg Anpflanzungen in größerem Umfang. Das Süßholz war für Bamberg so bedeutsam, dass die Stadt um 1602 die Süßholzstaude in ihr Wappen aufgenommen hat. Als eines der besten Anbaugebiete gilt Kalabrien in Süditalien, wo traditionell besonders süße und aromatische Lakritze gedeiht. Noch heute werden hier die bis zu drei Meter langen Wurzeln mit einem Traktor freigelegt und dann mühsam per Hand herausgezogen. Den weltweit hohen Bedarf an der begehrten Lakritze decken heute jedoch hauptsächlich asiatische Länder wie China und Iran.

Kein Zuckerschlecken: Die Ernte

Nur alle drei Jahre kann man die Seitenwurzeln des Süßholzstockes ernten. Mithilfe eines Traktors mit angehängtem Messer werden die Seitenwurzeln links und rechts des Süßholzstockes abgeschnitten. Die meterlangen Wurzelstücke müssen dann von Hand aus dem Boden gezogen werden. Die Süßholzwurzeln werden bei trockenem Wetter geerntet, ausreichend getrocknet und bei allen Verarbeitungsstufen und der Lagerung trocken gehalten. Für die Herstellung von Kräuter- und Früchtetee werden überwiegend geschälte Wurzeln verwendet. Geschält wird die frische Wurzel, da sie nach der Trocknung so hart wird, dass dies nicht mehr möglich ist. Zum Herstellen von Lakritz, der häufigsten Verarbeitungsart, extrahiert man die Inhaltsstoffe aus der Wurzel und dickt sie ein.

Natürlich süßer Tee – wohltuend zu jeder Jahreszeit

Der typische Lakritze-Geschmack steckt in der Glycyrrhizinsäure. Wenn diese sich spaltet, wird einerseits der Zuckerabkömmling Glycyrrhizin frei, der die rund 50-fache Süßkraft des normalen Haushaltszuckers besitzt, auf der anderen Seite entstehen Kalium- und Kalziumsalz, die eine bittere Note beisteuern. Das anisartige Aroma wird durch das flüchtige Anethol bestimmt. Hieraus erklärt sich die beliebte Tee-Komposition mit Anis, Fenchel und 

Sternanis. So ist Süßholzwurzel heute eine beliebte Zutat in Kräuter- und Früchteteemischungen. Dazu verleiht die wohltuende Wurzel dem Tee eine angenehme natürliche, kalorienfreie Süße und einen ausgewogenen Geschmack. In Kräutertees harmonisiert Süßholz mit Salbei oder Kamille besonders gut. Früchteteemischungen wie Apfel-, Kirsch- oder Holunder-Süßholz sorgen im Sommer für ein frisches Geschmacksvergnügen und wärmen in der kalten Jahreszeit gleichermaßen. Unsere niederländischen Nachbarn genießen gern auch puren Süßholztee. Ebenso erfreut sich die aus dem Extrakt hergestellte Lakritze dort besonders großer Beliebtheit.


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< 2012: Kräuter- und Früchtetee auf Rekordkurs
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