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Die pure Natur in der Tasse: Wildsammlungen

Über 400 verschiedene Pflanzen und Pflanzenteile werden zur Herstellung von Kräuter und Früchtetees verwendet. Während viele Kräutertee-Pflanzen auf Feldern in der ganzen Welt angebaut werden, wachsen andere nur wild und können nicht kultiviert werden. Die Ernte der Früchte, Blätter, Blüten und Samen von diesen in freier Natur wachsenden Pflanzen nennt man Wildsammlung. So werden Tee-Zutaten wie beispielsweise Hagebutten, Birkenblätter, Lindenblüten oder Holunderbeeren in Feld, Wald und Wiesen von Hand gepflückt und gesammelt. Ein weiterer Grund für Wildsammlungen ist, dass die Früchte von wild wachsenden Pflanzen oftmals einen ganz anderen Geschmack und Charakter haben, als die entsprechend angebauten Sorten. Beispiele hierfür sind Äpfel und Birnen.


Blatt, Blüte, Beere & Co. – jedes zu seiner Zeit

Das Wildsammeln erfordert  Know-how, insbesondere wenn es um das Reifestadium der jeweiligen Pflanze geht. Kräuter, die getrocknet werden sollen, sammelt man überwiegend zu Beginn der Blüte, wenn der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie ätherischen Ölen am höchsten ist. Wurzeln werden in der Ruheperiode, am besten im Spätherbst ausgegraben, da sie zu dieser Zeit über eine Fülle von Aroma- und Geschmacksstoffen verfügen. Samen und Früchte sammelt man kurz vor der Vollreife. Auch die Tageszeit und die Wetterbedingungen müssen berücksichtigt werden. Ideal zum Wildsammeln ist der späte Vormittag, wenn der Frühreif verschwunden ist und die Sonnenstrahlen die Blätter noch nicht ausgetrocknet haben. Pflanzen mit ätherischem Öl sollten möglichst bei bedecktem Himmel geerntet werden, denn Sonnenbestrahlung mindert den Gehalt an flüchtigen Stoffen. 

Die wichtigste Regel beim Ernten von Wildpflanzen ist natürlich das sichere Erkennen der Kräuter und Früchte. Erfahrene Sammler, meist Kleinbauern der jeweiligen Region, wissen, wo sich ergiebige Standorte für geeignete Pflanzen und Pflanzenteile befinden, und sind mit den erforderlichen Werkzeugen wie Messer, Sichel oder Sense ausgestattet. Mithilfe von Sammelplänen wird sichergestellt, dass bei der Wildsammlung die Flächen so genutzt werden, dass der Bestand wieder nachwachsen kann. So wird eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung sichergestellt.

Schritt für Schritt zum Hagebutten-Tee

Ein typisches Produkt aus Wildsammlung ist die Hagebutte. Die Früchte der bevorzugt an Wald- und Feldrändern wild wachsenden Heckenrose (Rosa canina L.) werden von Hand gesammelt. Die Ernte der Hagebutten ist wegen der Dornen äußerst mühsam. Die Pflücker bringen die frischen Früchte zu Sammelstellen, von wo aus sie zu einem Zwischenhändler zur Weiterverarbeitung transportiert werden. Hier werden dann die Früchte von Blättern befreit und sorgfältig gereinigt. Für ungetrübten Genuss müssen zudem Kerne und Härchen von den Fruchtschalen entfernt werden.  Anschließend werden sie, entweder in der Sonne oder in der heißen Luft einer Trocknungskammer getrocknet und danach für den Transport verpac

Kleine Blüten ganz groß für Genuss und Wohlbehagen

Im Herbst und Winter ist bei uns auch Hochsaison für ein aromatisches Sommerkind: den Lindenblütentee. Um hier die Blütenblätter mit den dazugehörigen Blüten, Blütenknospen und Fruchtknoten ernten zu können, geht es für die „Wildsammler“ bereits ab Juni bis August in luftige Höhen. In bis zu 30 Metern werden die „Blütenstände“ gesammelt. Wichtig ist, dass die Lindenblüten etwa einen, längstens vier Tage nach Aufblühen gesammelt werden, weil zu diesem Zeitpunkt der Gehalt geschmacksgebenden Inhaltsstoffen am höchsten ist. Danach werden sie wie  Hagebutten sorgfältig gereinigt und bei milden Temperaturen schonend getrocknet.  Die wohltuende Wirkung des Tees hat ihn bei vielen Verbrauchern zum klassischen Wintergetränk gemacht. 

Wildobst bereichert die Tassen 

Für aromatische Früchteteemischungen mit Apfel werden wegen der säuerlichen Note gerne Wildäpfel (Malus sylvestris L.) verwendet. Diese auch als Holzapfel bezeichnete Sorte wird nicht kultiviert und ausschließlich wild gesammelt. Sie sind deutlich kleiner und runder als der Kultur-Apfel und frisch ungenießbar, herb und hart. Gedörrt oder gekocht sind sie schmackhaft, sauer und sehr aromatisch. Die gelblich-grünen Früchte sind im September/Oktober reif und werden dann gesammelt. Im östlichen Erzgebirge sind noch rund tausend Wildapfelbäume heimisch.

Die Wildform der Birne (Pyrus pyraster L.) ist ein struppiger mit Dornen besetzter Baum und ist an Waldrändern und Freiflächen zu finden. Ihre Verbreitung reicht von Westeuropa bis zum Kaukasus. Die kleinen, gerbstoffreichen Früchte schmecken genau wie der Wildapfel stark zusammenziehend. Für säuerlich-süße Früchteteemischungen wird die Wildbirne gerne verwendet, zumal das Obst  robuster ist als seine kultivierten Verwandten.&nb


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